Brahms trifft Beethoven
Exklusives Konzert für Mitglieder im großen Saal der Elbphilharmonie
Die Neue Philharmonie Hamburg präsentiert die beiden ganz Großen unter den Komponisten der deutschen Musikgeschichte in einem Konzert im Großen Saal der Elbphilharmonie. Als Solisten im Doppelkonzert von Brahms dabei: die Geigerin Jana Kuss und der Cellist Mikayel Hakhnazaryan.
Für Johannes Brahms war Beethoven ein verehrtes Idol. Doch der schon zu seiner Zeit für seine kraftvoll dramatische Musik gefeierte Komponist erschien dem jungen Pianisten so unerreichbar, dass er 20 Jahre lang zögerte, bis er seine erste Sinfonie komponierte und schließlich selbst zu einem der Großen in der Musikwelt des 19. Jahrhunderts wurde. Mit zwei ganz unterschiedlichen Stücken bringt die Neue Philharmonie Hamburg sie nun zusammen.
Mit Beethovens Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92 präsentiert das Konzert in der Elbphilharmonie den größten Erfolg des Komponisten. Er selbst hatte die Sinfonie trotz seiner fortgeschrittenen Taubheit 1813 in Wien dirigiert. Als Appell an die Völkerbefreiung im Zeichen der Napoleonischen Kriege wurde das Werk gefeiert, seine emotionalen, stürmischen Rhythmen reißen das Publikum bis heute mit.
Auch Brahms stand selbst am Dirigentenpult, als sein Doppelkonzert a-Moll op. 102 im Jahr 1887 in Köln uraufgeführt wurde. Konzerte für mehrere Solo-Instrumente waren damals selten. Dieses war sozusagen eine Versöhnungsgeste für den Geiger Joseph Joachim, mit dem Brahms sieben Jahre lang zerstritten war. Heute gilt es wegen der harmonischen Verzahnung von Sinfonik und Solokonzert als Meisterwerk.
Harmonie bedeutet der Geigerin Jana Kuss viel. Sie liebt es, sich bei den Proben Zeit zu lassen, bis individuelle Ideen und musikalische Impulse zu einem Organismus zusammenwachsen. Diesmal allerdings muss es schnell gehen. Ihr und ihrem Partner bleibt nur ein Tag Zeit, sich auf das Orchester und den Dirigenten Marco Parisotto einzustellen, mit denen sie zum ersten Mal spielen. „Aber es ist auch mal gut und gesund, auf schnelle Art und Weise zu einem Ergebnis zu kommen“, meint Jana Kuss. Der Kontakt zum Orchester und dessen Leiter Tigran Mikaelyan kam durch Cellist Mikayel Hakhnazaryan zustande. Beide stammen aus Armenien und kannten sich bereits. Parisotto, künstlerischer Leiter des Ontario Philharmonic Orchestra und weltweit mehrfach preisgekrönter Dirigent, kommt aus Kanada nach Hamburg. Mikaelyan hatte ihn vor rund einem Jahr gewinnen können, Chefdirigent seines Orchesters zu werden.
Für Jana Kuss und Mikayel Hakhnazaryan erfüllt sich mit dem Gastspiel ein lang gehegter Wunsch. Zusammen mit ihrem Cello-Partner vom Berliner Kuss Quartett hatte sie nach einer Gelegenheit gesucht, das Doppelkonzert von Brahms zu spielen. Anfang dieses Jahres konnten sie es mit dem deutsch-polnischen Jugendorchester in Potsdam und danach mit dem Ahrensburger Kammerorchester realisieren. Das Konzert in der Elbphilharmonie ist nun ihr Debüt mit einem großen Profi-Orchester.
Violine und Violoncello konkurrieren bei Brahms und ergänzen sich dennoch perfekt. Jana schwärmt: „Wie toll, dass das Cello gleich am Anfang mit diesem warmen Klang startet“. Und Mikayel begeistert sich: „Alles, was die Geige spielt, ist so schön!“ Jana Kuss spielt eine Amati-Geige aus Cremona von 1675. Sie schätzt sie nicht nur wegen ihres karamelligen Tons. „Sie ist sehr schnell in der Ansprache, so dass ich ganz spielerisch mit ihr umgehen kann.“
Im Alter von 6 Jahren hatte sie mit dem Geigenunterricht begonnen. Ihr großes Vorbild war ihr Großvater, der Geigenlehrer in Frankfurt/Oder (damals noch DDR) war. Mit 12 Jahren kam sie an die damalige Spezialschule für Musik in Ost-Berlin zu dem legendären Kammermusik-Professor Eberhard Feltz. Zu dessen Geigenschülern zählte auch Oliver Wille und zwei Jahre später, 1989, begannen beide, sich mit Streichquartetten zu beschäftigen. Daraus entwickelte sich dann das Kuss Quartett, dessen Name 2001 zum ersten Mal auf einem Konzertplakat stand. Oliver Wille ist bis heute dabei. 2008 kam Cellist Mikayel Hakhnazaryan dazu. Die Bratsche spielt seit 2002 William Coleman. Inzwischen gastierte das Kuss Quartett international bis nach Japan und Korea. Jana Kuss lebt mittlerweile mit Mann und zwei Kindern in Hamburg. Hakhnazaryan wurde Solo-Cellist beim Münchner Kammerorchester. Zu gemeinsamen Proben vor Konzerten treffen sich beide aber immer noch mit den Kollegen regelmäßig in Berlin oder unterwegs.
Interview: Brigitte Ehrich
Karten für das Konzert finden Sie im Ticketshop