Pablo Picasso: Die Eule (1952), Ton © Succession Picasso / VG Bild Kunst
Pablo Picasso: Die Eule (1952), Ton © Succession Picasso / VG Bild Kunst

 

SKULPTURAL 

Große Skulpturenschau von der Antike bis zur Gegenwart

 

Alexander Klar, der Direktor der Kunsthalle, setzt weiterhin auf neue Akzente. Zusätzlich zur Neuordnung und Umgruppierung der Gemälde präsentiert er jetzt in einem interessanten Rückgriff eine Auswahl der hauseigenen Skulpturen, so wie einst im 19. Jahrhundert üblich, mit Bezug zur klassischen Antike.
   

 

Betritt man im Parterre das „Café Liebermann“, werden die Besucher konfrontiert mit überlebensgroßen Gipsabgüssen der sogenannten „Tauschwestern“ aus dem Parthenon-Tempel, der Statue des Diskuswerfers und weiteren antiken Figuren, die in den sogenannten Gründerjahren vor allem einer jungen Künstlergeneration als Vorbild dienen sollten. Ergänzt wird diese Rückerinnerung durch die Ausstellung der lange ins Archiv verbannten Münzsammlung. „Skulpturen en miniature“ nannte der erste Direktor der Kunsthalle, Alfred Lichtwark (1852 - 1914) Münzen, Medaillen und Reliefs, die er gezielt erwarb. In ihnen sah er Vermittler zur Skulptur sowie zu den Grafik- und Gemäldeabteilungen.
   

 

Die Antike und ihre Formideale – Symmetrie, Harmonie, ausbalancierte Proportionen – prägen das europäische Kunstverständnis bis heute. Ende des 19. Jahrhunderts gewann schließlich die freie künstlerische Arbeit immer mehr an Bedeutung, auch in der Bildhauerei erfolgte eine Abkehr vom idealisierenden Prinzip hin zu ungeschönter Naturwiedergabe. Diese Entwicklung lässt sich in der Ausstellung gut nachvollziehen.
   

 

Gezeigt werden rund 1.000 große und kleinste Skulpturen, Reliefs, Gemälde, Grafiken, Fotos, Raum- und Videoinstallationen aus 2.500 Jahren auf 1.500 m². Die Präsentation erfolgt zum Teil in „Entdecker-Vitrinen“, die in Anlehnung an einstmals wegweisende, von Lichtwark selbst entworfene Vorbilder die Tradition aufgreifen und gleichzeitig die aktuell höchsten Standards erfüllen. Man kann hier entspannt Platz nehmen, mit einem Vergrößerungsglas Kleinodien betrachten und interaktive Services nutzen. Ein gelungenes Zusammenspiel historischer und aktueller Museums-Präsentation.
   

 

Neben den erwähnten Münzen, Medaillen und Reliefs von Antike bis Moderne sind Werke von Auguste Rodin, Aristide Maillol, Edgar Degas, Elena Luksch-Makovsky, Käthe Kollwitz, Pablo Picasso, Marina Abramovic und vielen anderen zu sehen. Die Zusammenstellung erfolgt thematisch, nicht chronologisch, Themen sind zum Beispiel „Kopf und Hand“ oder „Von Wasser und Luft“. Und so treten antike Porträts in einen Dialog mit zeitgenössischer Fotografie, Tierplastiken von Edgar Degas begegnen zeitgenössischen Videoarbeiten, klassizistische Idealfiguren treffen auf Körperabgüsse der Pop-Art.
   

 

Erleben kann man die neuen Skulpturengalerien auf einem Rundgang durch das gesamte Erdgeschoss: Vom klassizistischen Säulensaal (Café Liebermann) des Gründungsbaus, ein prächtiges Zeichen der frühen Auseinandersetzung des Museums mit der Antike, wandert man durch die Passage mit einer Abfolge herrlicher frühklassizistischen Büsten von Johann Gottfried Schadow weiter bis in die Rotunde des Erweiterungsbaus. Hier ist neben Skulpturen von Hans Arp und Germaine Richiers wunderbarem „großen Schachspiel“ ein neues Auftragswerk zu sehen, der quietschbunte Wunschbrunnen der französischen Künstlerin Laure Prouvost. Von Anfang an hätte hier ein Brunnen stehen sollen, dazu war es aber nie gekommen – bis heute.

 

„SKULPTURAL – Die neuen Galerien“, bis 11. April 2027, Hamburger Kunsthalle, Glockengießerwall 5, 20095 Hamburg. Di - So 10 - 18 Uhr, Do bis 21 Uhr. Weitere Informationen auf www.hamburger-kunsthalle.de