Das Leitungsteam des Thalia Theaters © Krafft Angerer
Das Leitungsteam des Thalia Theaters © Krafft Angerer

Spielzeitvorschau Teil 2:Tradition, Innovation, Variation

Thalia Theater, Schauspielhaus und Symphoniker stellen ihre Pläne für die neue Spielzeit vor

 

THALIA THEATER

Die erste Spielzeit der Intendantin Sonja Anders war auf jeden Fall ganz anders als man es von ihrem Vorgänger Joachim Lux gewohnt war. Laut Geschäftsführer Tom Till lief sie auch sehr erfolgreich, er geht davon aus, dass das Vorjahresergebnis erreicht oder sogar übertroffen werden wird. Erfreulich ist auch, dass in der kommenden Spielzeit der Blick wieder etwas geweitet wird und es neben den beherrschenden Themen dieser Saison, Feminismus und Queerness, auch um Kooperation und Solidarität gehen wird, und um die Frage, wie Gemeinschaft im Angesicht von Polarisierung und Hass gelingen kann. Das Thalia will selbst auf Theaterebene in diesem Sinne agieren, sich mit anderen Kultureinrichtungen vernetzen und gemeinsame Produktionen auf die Bühne bringen.
 

 

Die erste Premiere im September, DEUTSCHES HAUS nach dem Roman von Annette Hess, beschäftigt sich mit der jungen Bundesrepublik, der Nazi-Vergangenheit und einer immer aktuellen Frage, die jeden betrifft: Wofür entscheidet man sich: hinsehen – oder ignorieren. Das gilt auch für Wolfgang Borcherts Klassiker DRAUSSEN VOR DER TÜR. Wohin mit den Traumata der Menschen, wenn der Krieg vorbei ist? Jette Steckel inszeniert Molières bissige Komödie DER MENSCHENFEIND über Moral und Selbstdarstellung als Zusammenspiel von Musik, Film und Theater. In DSCHINNS  erzählt Bestseller-Autorin Fatma Aydemir aus sechs Perspektiven von dem, was eine Familie trotz aller Schwierigkeiten letztendlich zusammenhält.
 

 

Film- und Fernseh-Star Maren Eggert kommt für eine Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin nach Hamburg: In Schillers unsterblichem Drama KABALE UND LIEBE geht es um den Einfluss gesellschaftlicher Zwänge auf das private Glück. Antú Romero Nunes ist endlich mal wieder in Hamburg zu Gast und inszeniert nach Beaumarchais’ HOCHZEIT DES FIGARO eine rasante Komödie über Machtspiele, Intrigen und Solidarität. Anne Lenk seziert in Ödön von Horváths GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD, wie die Suche nach persönlicher Freiheit im Kampf gegen Opportunismus und Angst versandet. Auch in DIE NASHÖRNER, Eugène Ionescos bitterböser und hochkomischer Polit-Parabel, ist Mut gefragt im Kampf gegen totalitäre Ideen und die verführerische Kraft einer Massenbewegung.

 

In den beiden Produktionen DORNRÖSCHEN und CASPAR DAVID FRIEDRICH wird es zu einer Zusammenarbeit mit der Hamburgischen Staatsoper kommen – hochinteressante Projekte, auf die man wirklich gespannt sein darf.

 

SCHAUSPIELHAUS

Intendantin Karin Beier bezeichnet in ihrer Präsentation der neuen Saison das Theater als Gemeinschaftsraum der Fantasie, in dem man sich der Gegenwart mit ihren Krisen und Konflikten stellt und sich ausmalt, wie eine zukunftsfähige Welt aussehen könnte. Da fügt sich die neue 6-teilige Antikenserie FREMDE SONNE - Die Argonauten. Iason. Medea. nahtlos ein. Denn dieser europäische Ur-Mythos einer Expeditionsfahrt in die Fremde – oder ist es eine Eroberungsfahrt? – hat nichts an Aktualität eingebüßt. Kolonialismus, Imperialismus, Rücksichtslosigkeit allerorten im Politischen und im Privaten. Können wir aus der Vergangenheit lernen? Mit dem Antikenmarathon „Anthropolis“ hat das Schauspielhaus in den letzten drei Spielzeiten Besucherrekorde gebrochen. Vielelicht gelingt so ein Coup noch einmal. Auch dieses Mal wieder mit von der Partie: Lina Beckmann und die großartige „Rampensau“ Devid Striesow.

 

Krieg – da will keiner hin. Das denkt auch Autor Georges Perec. Sein Text WEIL DER FRIEDEN ZUCKER IST!  dürfte die mit Sicherheit komischste und anarchischste Verteidigung des Pazifismus der Literaturgeschichte sein. Anita Vulesica inszeniert. In GLAUBE LIEBE HOFFNUNG zeigt Ödön von Horváth, wie Menschen an den kleinen Dingen zerbrechen: an Vorschriften, Erwartungen und an Gleichgültigkeit. Mit scharfem Blick und bitterem Humor entlarvt er eine Gesellschaft, in der Glaube, Liebe und Hoffnung zu leeren Floskeln geworden sind.
 

 

Juhu, das Warten hat ein Ende: Antenne Buddenbrook geht endlich auf Sendung! Thomas Manns Klassiker BUDDENBROOKS als Radio-Show von Barbara Bürk und Clemens Sienknecht – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie. Vier Generationen
großbürgerlichen Niedergangs treffen auf die Gute-Laune-Top-Classics der letzten vier Jahrhunderte, präsentiert von der ältesten Radio-Crew des Nordens. Und schließlich versucht Regisseur Christopher Rüping eine neue Annäherung an das Genie Wolfgang Amadeus Mozart. In AMADÈ ist er auf der Suche nach dem Geist Mozarts – dem Geist der Unangepasstheit und des Geliebt-Werden-Wollens. Es wird um die Frage gehen, ob man seinem künstlerischen Ideal oder eher den Erwartungen eines zahlenden Publikums verpflichtet ist. Ob der Wunsch zu gefallen oder die Widerstandsfähigkeit von Kunst im Vordergrund steht. Ebenfalls ein Thema ohne Verfalldatum. 

 

SYMPHONIKER HAMBURG

Intendant Daniel Kühnel hat einmal mehr ein Goethe-Zitat als Überschrift für das neue Programm der Symphoniker gewählt: „– Wie ich!“, aus Goethes Gedicht über den Titanen Prometheus, der entgegen göttlichem Willen den Menschen das Feuer brachte und eine ungeahnte kulturelle Entwicklung in Gang setzte. Der Gedanke von der Evolution der Welt durch musikalische Kultur liegt in der neuen Saison allen Konzertreihen der Symphoniker zugrunde: den Symphoniekonzerten, der Vielharmonie, der Morgen Musik und den Kammerkonzerten. Prominent in den Programmen vertreten sind MOZART und der Jubilar BEETHOVEN (200. Todestag). Ihre Werke werden in neue Zusammenhänge gestellt, zum Beispiel wird Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert auf der Viola gespielt. Dazu gesellen sich BRAHMS, TSCHAIKOWSKY, CHOPIN, BACH, VAUGHAN WILLIAMS, RAVEL, HÄNDEL, SIBELIUS und viele andere.
 

 

Seit fast 70 Spielzeiten, so Intendant Kühnel, stellen die Symphoniker sich “… der Herausforderung, unserem Publikum mit unseren Konzerten neue Perspektiven zu eröffnen, vertrauten wie unbekannten Werken der Musikliteratur neues Leben einzuhauchen und sie in lebendigen Zusammenstellungen für Sie zum Atmen zu bringen.“ Ergänzend dazu hat er ganz klar den Plan, die Laeiszhalle neben der Elbphilharmonie wieder viel eindeutiger als Konzertort ersten Ranges in den Blick zu rücken. Viele Sängerinnen und Sänger sehen den großen Saal der Laeiszhalle ohnehin als die Nummer eins an, auch für die Alte Musik und kleiner besetzte Werke ist sie ganz wunderbar geeignet.
 

 

Chefdirigent SYLVAIN CAMBRELING freut sich neben spannenden Debüts von Kollegen und Kolleginnen auf ein Wiedersehen mit ANDRIS POGA, BERNARD LABADIE und TON KOOPMAN. Die Liste der Solisten ist vielfältig und hochkarätig: Neben herausragenden Sängerinnen wie JENNIFER HOLLOWAY, JULIA LEZHNEVA, SANDRINE PIAU und KRASSIMIRA STOYANOVA begrüßen die Symphoniker unter anderem MARTHA ARGERICH, KHATIA BUNIATISHVILI, EDGAR MOREAU und NILS LANDGREN.

 

 

Da nicht alle Bühnen vor Redaktionsschluss ihre Programme bekannt gegeben haben, erhebt unsere Vorschau keinen Anspruch auf Vollständigkeit.