Tradition bewahren, neue Akzente setzen
Die neue inkultur- Geschäftsführerin stellt sich vor
Seit Juni dieses Jahres hat inkultur eine neue Geschäftsführerin. Katharina Müller trat die Nachfolge von Bertram Scholz an. 14 Jahre lang war die 42-jährige Hamburgerin im Theaterbetrieb der Komödie Winterhuder Fährhaus tätig, bevor sie 2023 zunächst als Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit an die Hamburger Volksbühne wechselte. Im Gespräch verrät sie ihre Pläne für die Zukunft und erklärt, was inkultur mit Abos, neuen Kooperationen und digitalen Informationen vorhat.
inkultur: Was ist Ihr Job als Geschäftsführerin und worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe?
Katharina Müller: Natürlich kümmere ich mich erstmal um die Finanzen, führe den Verein und habe die Mitgliederzahlen dabei im Blick. Meine wichtigste Aufgabe sehe ich allerdings im Bereich Marketing, das ist ein bisschen mein Steckenpferd: Welche neuen Wege können wir einschlagen, um inkultur zukunftssicher zu machen, wie können wir neue Gruppen, neue Bereiche erschließen? Dabei dürfen wir aber nicht das Kerngeschäft aus den Augen verlieren und das sind ganz klar die Wahl-Abos und die Theaterbusse, die jedes Jahr mehr werden. Zurzeit haben wir 160 Busse mit einer Reichweite bis Schwerin.
Was bedeutet für Sie zukunftssicher?
Genau wie die Theater haben wir nach Corona leider einen kleinen Abwärtstrend bei den Abos verzeichnen müssen. Wobei wir mit mehr als 18.000 Abonnenten noch sehr gut dastehen. Wenn wir diese Zahl steigern wollen, müssen wir auch die jüngeren Menschen wieder dafür begeistern, Mitglied bei uns zu werden. Wir haben vor, andere Formen, kleinere Sachen wie etwa „Ballet in the Dark“, und andere Theater in unser Programm aufzunehmen. So bieten wir jetzt auch Kampnagel an und hatten sehr gute Gespräche mit dem St. Pauli Theater.
Unsere Kernzielgruppe sind dabei die Menschen 40 plus, deren Kinder schon älter sind und die für sich selbst etwas Gutes tun möchten. Da sehe ich unsere neuen Mitglieder.
Gibt es irgendwelche Veränderungen für die Mitglieder?
Wir werden die Festtermin-Abos weiter reduzieren, denn wir haben festgestellt, dass viele Termine getauscht werden. Da ist es sinnvoller, gleich ein Wahl-Abo zu nehmen und selbst auszusuchen, wohin man gehen möchte. Und wir werden digitaler werden und nicht nur im monatlichen Magazin, sondern auch online Veranstaltungen anbieten. Um meine Mentorin Britta Duah (ehemalige Intendantin der Komödie Winterhude) zu zitieren: „Tradition bewahren, neue Akzente setzen“. Genau das ist auch mein Motto.
Wie weit wird die Digitalisierung gehen?
Wir wollen natürlich alle Mitglieder mitnehmen und stellen deshalb vorläufig noch sämtliche Materialien sowohl in Papierform als auch online zur Verfügung. Aber wichtig ist uns vor allem: Wir sind ansprechbar. Wir nehmen uns die Zeit für lange Beratungsgespräche, wir haben den Telefon-Service und wir sind auch vor Ort am Graumannsweg zu erreichen. Wir sind nicht anonym, wir sind da, denn: Kultur verbindet.
Wie gut ist die Kooperation mit den Theatern, die inkultur jeweils ein bestimmtes Kontingent an Karten zur Verfügung stellen?
Das ist ein sehr schönes Geben und Nehmen. Besonders nach der Corona-Zeit haben wir gemerkt, wie wichtig die Volksbühne für die Theater ist, denn wir haben ihnen ja wieder das Publikum verlässlich in die Häuser gebracht. Für einige Mitglieder sind wir auch die Anlaufstelle, um neue Theater kennenzulernen. Auch darin sehen wir unseren Auftrag. Wir sind diejenigen, die sagen, geh doch mal hin, sei ein bisschen mutig und probiere etwas Neues aus.
Sie haben selbst lange an der Komödie Winterhuder Fährhaus gearbeitet. Welche Erfahrung bringen Sie aus dieser Zeit mit?
Ich kenne die Abläufe in einem Theater und kann deshalb erklären, warum sich mancher Wunsch nicht sofort umsetzen lässt. Das hilft bei der Zusammenarbeit. Aber ich vermisse ein bisschen die ganz besondere Atmosphäre bei einer Premiere, den Glamour, die Stimmung auf und hinter der Bühne.
Haben Sie selbst eine besondere Beziehung zum Theater?
Ich bin schon als Kind mit meiner Oma ins Weihnachtsmärchen gegangen. Und während der Schulzeit habe ich selbst Theater gespielt, Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben. Auch mit meinem Sohn habe ich früher die Weihnachtmärchen besucht. Er ist jetzt 12 und darf schon manche Erwachsenenstücke sehen. Ich liebe alle Hamburger Theater – die Komödie Winterhude natürlich oder das Schauspielhaus, die Laeiszhalle, die Kammerspiele, das Ernst Deutsch Theater mit ihrer eindrucksvollen Geschichte. Jedes hat seinen ganz besonderen Charme.
Interview: Brigitte Ehrich