Das Ensemble von
Das Ensemble von "53 Sonntage" © Michael Petersohn

53 Sonntage

In der Komödie Winterhuder Fährhaus: Tessa Mittelstaedt
als psychisch gestresste Schwester zwischen zwei Brüdern
in einer Komödie mit ernstem Hintergrund

 

Das Thema greift ein Problem 
auf, das jeden betreffen kann:
 Drei Geschwister stehen vor
 der Frage, wie es mit ihrem alten Vater
 weitergehen soll, der an Demenz leidet 
und sich nicht mehr selbst versorgen 
kann. Soll ihn einer der Drei bei sich 
zu Hause aufnehmen oder sollen sie 
ihn ins Pflegeheim schicken? Bei dem
 spanischen Autor Cesc Gay wird daraus
 eine Komödie, die beim Publikum
 durchaus nachdenkliche Gefühle hinterlässt.
 In der Komödie Winterhuder 
Fährhaus inszeniert Marion Kracht die
 deutsche Erstaufführung des Stücks 
„53 Sonntage“. Tessa Mittelstaedt
 spielt darin eine psychisch gestresste Schwester zwischen zwei Brüdern.

 

Katja versucht, ihre Brüder zu einer
 Entscheidung zu bringen und vereinbart
 ein gemeinsames Treffen. Doch 
jeder hat

seine eigenen Probleme; der 
eine ist Schauspieler, kriegt aber nur
 noch eine Rolle als Tomate, der andere
 hat nur seine

Geschäfte im Kopf. 
Katja selbst kämpft darum, ihr eigenes
 Leben in den Griff zu bekommen.
 Zwischen ihnen entbrennt

schnell ein schonungslos komischer Eifersuchtsstreit,
 wer vom Vater wohl am meisten
 geliebt wurde. „Katja möchte

vermitteln 
und beschwichtigen“, erklärt Tessa
 Mittelstaedt. „Sie ist der klassische
 Frauentyp, der sich sehr zurück nimmt 


und darunter leidet. Als ‚Sandwichkind‘
 zwischen zwei Brüdern und mit
 der Pflege des Vaters alleingelassen,
 begreift sie

nun zum ersten Mal, dass
 sie an einem Wendepunkt steht, dass
 sie etwas ändern muss, um nicht
 selbst kaputt zu gehen.“

 

Als Farce mit komödiantischen Elementen 
bezeichnet die Schauspielerin
 das Stück und meint: „Es ist wichtig,
 die

Charaktere und ihre jeweilige Not
 sehr ernst zu nehmen. Denn gerade
 dadurch entsteht eine gewisse Komik.
 Mit den Geschwisterrivalitäten, den 
Eitelkeiten, den Verletzungen kann 
man sich gut identifizieren.“ Damit
 kennt sie sich aus –

als Mutter von 
zwei Kindern. „Ich stehe manchmal 
hilflos davor, wenn sie eifersüchtig um 
Mamas Aufmerksamkeit buhlen,

und
 aus dieser Spirale nicht mehr herauskommen.
 Sie sind dann so in Rage, dass sie mich vollkommen ignorieren.
 Da

kann ich sie nur noch in den Arm
 nehmen und sagen: Ich liebe euch
 beide.“

 

Als Franziska, Assistentin der Kölner 
„Tatort“-Kommissare, war Tessa Mittelstaedt
 Anfang 2000 bekannt geworden.

13 Jahre lang blieb sie der Rolle 
treu – und wird heute noch darauf
 angesprochen. „Solche Rollen haben 
immer zwei Seiten

der Medaille. Dass 
diese Figur eine so große Fangemeinde
 hat und dass sie in den Herzen der
 Zuschauer auch nach ihrem Abschied
 noch eine Sehnsucht hervorrief, macht
 mich stolz und glücklich. Denn darum
 geht es ja: Als Schauspieler sind wir
 Geschichtenerzähler und wollen Menschen 
zeigen, die haften bleiben. Aber 
nach 13 Jahren war es genug. Was ich 
mir

wünsche, wäre eine neue Figur in 
einer eigenen Reihe, die die Franziska
 ersetzt.“ Mit der Franzi sei es ein bisschen 
so, wie

mit Romy Schneider, die 
die Sissi nie wieder losgeworden ist.
 Nach ihrem dramatischen Abschied
 vom „Tatort“ (sie wurde

brutal ermordet) 
und einer längeren Familien-Pause 
ist Tessa Mittelstaedt nun vielseitig 
mit Fernsehen, Theater, Hörbüchern
 

oder Lesungen beschäftigt. „Wenn
 alles so im Fluss ist, dann schärft das
 meine Sinne als Schauspielerin. Das
 finde ich

spannend.“ 

 

In der Komödie Winterhude steht 
die Künstlerin, die in Ulm geboren
 wurde, in Hamburg aufgewachsen 
ist und in Berlin lebt,

zum ersten Mal
 auf der Bühne. Theater – das weiß sie 
aus Erfahrung – braucht eine andere
 Kraft als Filmaufnahmen, ein anderes
 Durchhaltevermögen. Komödien
 findet sie dabei noch schwieriger als
 Dramen. „Wir spielen ja ein Drama,
 müssen

darin aber extrem leicht sein.
 Das ist eine ganz eigene Kunst.“ Das
 Stück selbst sei dabei ausschlaggebend.
 „Wenn das Stück

stabil ist, dann 
haben wir die Möglichkeit, jede Welle 
damit zu reiten.“ In Spanien ist der 
Autor Cesc Gay längst beliebt und

bekannt
 für seine unterhaltsamen Theaterstücke,
 die das Bürgertum humorig-kritisch 
unter die Lupe nehmen. Wie
 die „53

Sonntage“. Tessa Mittelstaedt:
„ Es ist sehr gut geschrieben, in einer
 Art Wellenform, bis es am Ende explodiert.“
 Eben eine

gelungene Komödie
 mit nachhaltig ernstem Hintergrund.

  

Brigitte Ehrich

 

Karten für die Aufführung finden Sie im Ticketshop