Neu in der Komödie: Dieter Powitz © PublicAddress - Stefan Hoyer
Neu in der Komödie: Dieter Powitz © PublicAddress - Stefan Hoyer

Auf der Suche nach der perfekten Perle

Dieter Powitz ist neuer Leiter der 
Komödie Winterhuder Fährhaus

 

Seit Februar dieses Jahres hat die Komödie 
Winterhuder Fährhaus einen 
neuen Leiter. Dieter Powitz hat die
 Nachfolge von Britta Duah angetreten,
 die das Theater von 2017

bis Mai 2025 
leitete. Der gebürtige Mainzer studierte
 Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte,
 arbeitete an vielen deutschen
 Theatern, u. a. in Bielefeld als Stellvertretender 
Intendant und war zuletzt
 Leiter des Amtes für Bildung und Kultur
 in Norderstedt.
 Mit inkultur sprach er über seine Theaterleidenschaft
 und seine Pläne für die 
Komödie Winterhude.

 

inkultur: Was hat Sie zum Wechsel
 vom Kulturamt an die Komödie Winterhude
 bewogen und wie kam

es
 dazu?

Dieter Powitz: Schon als ich angefangen
 habe zu studieren, wollte ich zum
 Theater. Ich wollte in eine leitende
 

Position und habe alles danach ausgerichtet,
 um den Theaterbetrieb in
 Gänze zu verstehen. Während des
 Studiums

war ich Jungdramaturg
 am Ernst Deutsch Theater und habe
 später an den unterschiedlichsten Theatern
 – Stadttheater,  Musicaltheater,
 Unternehmenstheater – gearbeitet. Als
 Stellvertretender Intendant wurde ich
 in Bielefeld in die

Projektgruppe zur 
Erarbeitung eines Kulturentwicklungsplans
 berufen. Das hat mein Interesse 
für die Mechanismen

einer Kommune 
geweckt. Kommune ist für mich das
 Herzstück unseres demokratischen
 Miteinanders. Diese Arbeit

habe ich
 dann als Amtsleiter in Düren und Norderstedt
 fortgesetzt. 
Diese Zeit war sehr spannend und 
vielschichtig,

aber für meine Leidenschaft
 und die Liebe zur Kultur blieb 
neben den Verwaltungsaufgaben wenig
 Raum. Deshalb

habe ich mich im
 Sommer 2025 auf die ausgeschriebene 
Leitungsposition bei der Komödie Winterhuder
 Fährhaus

beworben.

 

Was fasziniert Sie am Theater?

Wenn der Vorhang sich hebt und der
 jahrzehntealte Geruch – so eine Melange
 aus Staub, Schminke und Lampenfieber
 –

sich in den Zuschauerraum
 ergießt, habe ich immer einen erhöhten 
Herzschlag. Das, was dann live auf
 einer Bühne

passiert, dieses Zusammenspiel
 mit dem Publikum, das ist
 für mich immer wieder magisch.
 

 

Warum sind Sie nicht selbst Schauspieler
 geworden?

An dem, was ich jetzt tue, liebe ich den 
Blick für das Ganze, und dieses maßgeblich
 mit zu steuern, das ist meine 

Aufgabe und die erfüllt mich sehr.

 

Welches Theatergenre bevorzugen Sie?

Mir geht es nicht um ein bestimmtes 
Genre, sondern um die Suche nach
 der perfekten „Perle“. Bei der Komödie
 

Winterhuder Fährhaus haben wir es
 uns zur Aufgabe gemacht, die Vielschichtigkeit
 des mitunter belächelten
 Genres

„Komödie“ sichtbar zu machen.
 Das kann eine turbulente Komödie
 sein oder eine, in der Komik aus
 dem Scheitern

des Alltags entsteht. Die 
‚53 Sonntage‘ sind zum Beispiel eine 
sehr feinfühlige Komödie, die über
 Zwischentöne

funktioniert.

 

Das Programm der Komödie Winterhuder
 Fährhaus wird von der Berliner
 Zentrale mit dem Intendanten Martin
 

Woelffer bestimmt. Wieviel Mitspracherecht
 haben Sie?


Martin Woelffer hat einen Sparringspartner
 gesucht, der sagt, was in Hamburg
 gut oder auch nicht funktioniert,
 und der

sich aktiv einmischt. Es gibt
 Phasen, da lese ich jeden Tag ein neues
 Stück und bin mit der Berliner Leitung
 im Austausch.

In der kommenden
 Spielzeit wird es deshalb am Anfang
 auch eine Hamburger Produktion geben.
 

 

Gibt es Stücke, die in Berlin funktionieren
 und in Hamburg eher nicht?
 

Das hängt auch sehr von den Namen 
der Schauspieler und Schauspielerinnen 
ab. Eine Katharina Thalbach z. B.
 ist in

Berlin eine Lokalheldin, in Hamburg
 muss man etwas genauer abwägen,
 ob der Name in dem gleichen
 Maße lockt.

 


Haben Sie noch weitere Zukunftspläne
 für die Komödie Winterhude?

Bei unseren Sonderveranstaltungen,
 der Reihe Komödie Extra, soll die 
Literatur einen größeren Stellenwert
 mit

musikalischen, literarischen und
 szenischen Lesungen bekommen, mit 
Interpreten und Interpretinnen wie
 Claudia

Michelsen, Martin Brambach,
 Leslie Malton oder Anna Schudt und
 Jörg Hartmann. Darüber hinaus ist
 das übergeordnete

Ziel, die Komödie
 Winterhuder Fährhaus gemeinsam
 mit dem Team hier und der Leitung in 
Berlin in die Zukunft zu

führen – mit
 dem Spagat, neues Publikum einerseits
 zu gewinnen, aber andererseits 
auch das Stammpublikum und

dessen
 Wünsche nicht aus den Augen zu lassen.
 Das wird spannend und ich freue
 mich darauf!

  

Interview: Brigitte Ehrich