Auf der Suche nach der perfekten Perle
Dieter Powitz ist neuer Leiter der
Komödie Winterhuder Fährhaus
Seit Februar dieses Jahres hat die Komödie
Winterhuder Fährhaus einen
neuen Leiter. Dieter Powitz hat die
Nachfolge von Britta Duah angetreten,
die das Theater von 2017
bis Mai 2025
leitete. Der gebürtige Mainzer studierte
Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte,
arbeitete an vielen deutschen
Theatern, u. a. in Bielefeld als Stellvertretender
Intendant und war zuletzt
Leiter des Amtes für Bildung und Kultur
in Norderstedt.
Mit inkultur sprach er über seine Theaterleidenschaft
und seine Pläne für die
Komödie Winterhude.
inkultur: Was hat Sie zum Wechsel
vom Kulturamt an die Komödie Winterhude
bewogen und wie kam
es
dazu?
Dieter Powitz: Schon als ich angefangen
habe zu studieren, wollte ich zum
Theater. Ich wollte in eine leitende
Position und habe alles danach ausgerichtet,
um den Theaterbetrieb in
Gänze zu verstehen. Während des
Studiums
war ich Jungdramaturg
am Ernst Deutsch Theater und habe
später an den unterschiedlichsten Theatern
– Stadttheater, Musicaltheater,
Unternehmenstheater – gearbeitet. Als
Stellvertretender Intendant wurde ich
in Bielefeld in die
Projektgruppe zur
Erarbeitung eines Kulturentwicklungsplans
berufen. Das hat mein Interesse
für die Mechanismen
einer Kommune
geweckt. Kommune ist für mich das
Herzstück unseres demokratischen
Miteinanders. Diese Arbeit
habe ich
dann als Amtsleiter in Düren und Norderstedt
fortgesetzt.
Diese Zeit war sehr spannend und
vielschichtig,
aber für meine Leidenschaft
und die Liebe zur Kultur blieb
neben den Verwaltungsaufgaben wenig
Raum. Deshalb
habe ich mich im
Sommer 2025 auf die ausgeschriebene
Leitungsposition bei der Komödie Winterhuder
Fährhaus
beworben.
Was fasziniert Sie am Theater?
Wenn der Vorhang sich hebt und der
jahrzehntealte Geruch – so eine Melange
aus Staub, Schminke und Lampenfieber
–
sich in den Zuschauerraum
ergießt, habe ich immer einen erhöhten
Herzschlag. Das, was dann live auf
einer Bühne
passiert, dieses Zusammenspiel
mit dem Publikum, das ist
für mich immer wieder magisch.
Warum sind Sie nicht selbst Schauspieler
geworden?
An dem, was ich jetzt tue, liebe ich den
Blick für das Ganze, und dieses maßgeblich
mit zu steuern, das ist meine
Aufgabe und die erfüllt mich sehr.
Welches Theatergenre bevorzugen Sie?
Mir geht es nicht um ein bestimmtes
Genre, sondern um die Suche nach
der perfekten „Perle“. Bei der Komödie
Winterhuder Fährhaus haben wir es
uns zur Aufgabe gemacht, die Vielschichtigkeit
des mitunter belächelten
Genres
„Komödie“ sichtbar zu machen.
Das kann eine turbulente Komödie
sein oder eine, in der Komik aus
dem Scheitern
des Alltags entsteht. Die
‚53 Sonntage‘ sind zum Beispiel eine
sehr feinfühlige Komödie, die über
Zwischentöne
funktioniert.
Das Programm der Komödie Winterhuder
Fährhaus wird von der Berliner
Zentrale mit dem Intendanten Martin
Woelffer bestimmt. Wieviel Mitspracherecht
haben Sie?
Martin Woelffer hat einen Sparringspartner
gesucht, der sagt, was in Hamburg
gut oder auch nicht funktioniert,
und der
sich aktiv einmischt. Es gibt
Phasen, da lese ich jeden Tag ein neues
Stück und bin mit der Berliner Leitung
im Austausch.
In der kommenden
Spielzeit wird es deshalb am Anfang
auch eine Hamburger Produktion geben.
Gibt es Stücke, die in Berlin funktionieren
und in Hamburg eher nicht?
Das hängt auch sehr von den Namen
der Schauspieler und Schauspielerinnen
ab. Eine Katharina Thalbach z. B.
ist in
Berlin eine Lokalheldin, in Hamburg
muss man etwas genauer abwägen,
ob der Name in dem gleichen
Maße lockt.
Haben Sie noch weitere Zukunftspläne
für die Komödie Winterhude?
Bei unseren Sonderveranstaltungen,
der Reihe Komödie Extra, soll die
Literatur einen größeren Stellenwert
mit
musikalischen, literarischen und
szenischen Lesungen bekommen, mit
Interpreten und Interpretinnen wie
Claudia
Michelsen, Martin Brambach,
Leslie Malton oder Anna Schudt und
Jörg Hartmann. Darüber hinaus ist
das übergeordnete
Ziel, die Komödie
Winterhuder Fährhaus gemeinsam
mit dem Team hier und der Leitung in
Berlin in die Zukunft zu
führen – mit
dem Spagat, neues Publikum einerseits
zu gewinnen, aber andererseits
auch das Stammpublikum und
dessen
Wünsche nicht aus den Augen zu lassen.
Das wird spannend und ich freue
mich darauf!
Interview: Brigitte Ehrich