You'll never watch alone
Zum 100. Geburtstag von
F.C. Gundlach
Der Fotograf, Galerist, Sammler,
Hochschullehrer, Kurator und
Stifter F.C. Gundlach (1926-
2021) initiierte im Jahr 1999 das alle
drei Jahre stattfindende internationale
Festival „Triennale der Fotografie“ in
Hamburg, das dieses Jahr ab dem 5.
Juni zum neunten Mal in den großen
Museen und Ausstellungshäusern
stattfindet. Welcher Zeitpunkt könnte
also besser sein, seinen 100. Geburtstag
und das umfangreiche Werk zu
würdigen?
Im Bucerius Kunst Forum sind
neben den bekannten, ikonischen
Fotografien auch unveröffentlichte
Schwarzweiß- und Farbaufnahmen sowie
Werke von Vorbildern, Weggefährtinnen
und Nachfolgern zu sehen. Gezeigt
werden 130 Fotografien von F.C.
Gundlach selbst, die mit 70 Werken
aus seiner Sammlung in Beziehung gesetzt werden, von Erwin Blumenfeld,
Richard Avedon, Cindy Sherman und
vielen anderen.
Berühmt ist F.C. Gundlach vor allem
f ür seine Modefotografien der 1950er,
60er und 70er Jahre. Kein Wunder,
fotografierte er doch im Rahmen eines
Exklusiv-Vertrags mit der Zeitschrift
„Brigitte“ bis 1989 viele der trendsetzenden
Modeteile dieser „Frauenzeitschrift“,
insgesamt mehr als 160
Titelcover und über 5.000 Seiten im
redaktionellen Teil. Gundlach selbst
sagte
dazu: „Als Modephotograph…
muss der Photograph ganz in seiner
Zeit leben, denken und fühlen. Modephotpgraphien sind
immer Interpretationen
und Inszenierungen. Sie reflektieren
und visualisieren den Zeitgeist
der Gegenwart und antizipieren denjenigen
von morgen. Sie bieten Projektionsflächen
zur Identifikation an, aber
auch für Träume, Wünsche und Sehnsüchte.“
Es gelang Gundlach trefflich,
auf seinen Fotografien die Mode in den
sozio-kulturellen Zusammenhang zu
stellen, dem sie
entstammt. Und so
sagen (seine) Modefotografien manchmal
mehr über ihre Entstehungszeit
aus als reguläre Dokumentarfotografien.
Ästhetisch höchst ansprechend
sind seine Fotos außerdem.
In den 60er bis 80er Jahren erweiterte
er sein Spektrum um die Reportagefotografie,
er reiste in den Nahen,
Mittleren und
Fernen Osten sowie
nach Mittel- und Südamerika. Außerdem
wurde New York in dieser Zeit
ein Zentrum seines fotografischen
Schaffens. Gundlach war bis ins hohe
Alter nicht nur als Fotograf aktiv: er
produzierte nationale und internationale
Ausstellungsprojekte, förderte
junge Talente und kümmerte sich um
die Bewahrung besonderer fotografischer
Nachlässe.
Noch mehr gibt es von F.C. Gundlach
ab dem 5. Juni in den Deichtorhallen
zu sehen, wo in der Halle für
aktuelle Kunst die
Schau „Cocktail Prolongé:
F.C. Gundlach special“ gezeigt
wird. Ein Kaleidoskop vielfältigster
Inszenierungen von Körperlichkeit
und der damit verbundenen Wünsche,
Fantasien und Emotionen wirft
ein neues Licht auf Gundlach. Hier
werden Fotografien
aus seiner privaten
Sammlung gezeigt, die eine ganz
andere Sprache sprechen als die Fotos,
die man gemeinhin mit ihm verbindet:
Körperlichkeit, Queerness, Unangepasstheit
– oft durchaus provokant und
abgründig.
F.C. Gundlach: You’ll never watch alone, 8. Mai
bis 16. August 2026, Bucerius Kunst Forum,
Alter Wall 12, 20457 Hamburg, täglich 11 – 19
Uhr, Do bis 21 Uhr, auch an Feiertagen. Weitere
Informationen auf www. buceriuskunstforum.
de.
Die Ausstellung ist Teil der 9. Triennale der
Photographie Hamburg 2026, die vom 5. Juni
bis 22. September 2026 unter
dem Titel „Alliance,
Infinity, Love - in the Face of the Other“
elf Ausstellungen in acht Museen und Ausstellungshäusern
der Stadt präsentiert.
Weitere
Informationen unter: phototriennale.de.