Die aktuellen Premieren der Privat- und Staatstheater

Ensemble in
Ensemble in "Vor dem Fall" © Anatol Kotte

Die Neuproduktionen im Mai:

 

HAMBURGER KAMMERSPIELE

VOR DEM FALL


In ihrer Jugend waren Lisa, Benjamin,
 Marc und Tom beste Freunde, dann 
gingen sie ins Leben hinaus und wurden
 erfolgreich. Jetzt treffen sie sich
 wieder, um die Geburt von Toms erstem 
Kind zu feiern. Durch einen dummen 
Zufall bleiben sie auf der Terrasse
 ausgesperrt. Kein Anlass zur Panik,
 aber Anlass genug zu leicht gereizter 
Stimmung, in der die feine Fassade
 der Vier zu bröckeln beginnt. Marc
 wurde gerade verlassen und Benjamin gefeuert. Lisa hat ein Verhältnis mit einem
 verheirateten Mann und alle drei 
finden Toms Sprössling hässlich. Unangenehme Wahrheiten kommen ans 
Licht, Lebensentwürfe sind gescheitert.
 Hochmut kommt „Vor dem Fall“ 
heißt es im Sprichwort. Auf wen von
 den Freunden trifft das wohl zu? Die
 Tragikomödie ist das dritte Stück des
 französischen Autors Hadrian Raccah 
und wurde 2024 in Paris uraufgeführt.
 In den Kammerspielen inszeniert Martin
 Woelffer, der Intendant der Berliner 
Komödie am Kurfürstendamm, die 
deutsche Erstaufführung u. a. mit Max 
von Pufendorf.

 

OHNSORG THEATER

VEER LÜÜD IN‘N NEVEL –
 REIF FÜR DIE INSEL

 Wenn eingefleischte Bürohengste von 
ihrem Chef in die Wildnis zwangsversetzt
 werden, dann soll das vor
 allem den Teamgeist fördern. Also
 startet die Belegschaft eines mittelständischen 
Unternehmens zu einem 
Wochenende Natur pur an einem 
schleswig-holsteinischen See. Mit von 
der Partie sind vier Abteilungsleiter,
 die sich im Konkurrenzkampf so ins 
Zeug legen, dass sie buchstäblich baden
 gehen. Ihr Boot schlägt leck und 
sie retten sich auf eine kleine Insel.
 Die Notlage schweißt sie zusammen
 – sollte man denken. Aber es hapert
 schon daran, dass der Rucksack mit 
dem Proviant weg ist. Schnell versinkt jede zivilisierte Umgangsform 
im Wasser und bald eskalieren die
 Aggressionen, bis hin zum bitterbösen
 Seelen-Striptease. Am Ende sind 
der nette Werner, der starke Paul, der
 sensible Norbert und der merkwürdige
 Erik tatsächlich „Reif für die Insel“.
 Im Ohnsorg Theater inszeniert Nora
 Schumacher die schwarz-humorige 
Komödie des englischen Dramatikers,
 Drehbuchautors und Songwriters Tim
 Firth in der plattdeutschen Übersetzung
 von Frank Grupe.

 

STAATSOPER HAMBURG


IL BARBIERE DI SIVIGLIA

 Vor sechs Jahren wurde Gioachino
 Rossinis „Barbier von Sevilla“ aus dem 
Repertoire der Staatsoper genommen.
 Die Produktion stammte aus dem Jahr 
1976 und hatte 216 Vorstellungen hinter 
sich. Nun gibt es endlich eine Neuauflage:
 Mit ihrer Inszenierung von „Il
 Barbiere di Siviglia“ stellt sich die als 
Opernregisseurin international gefeierte
 Tatjana Gürbaca zum ersten Mal 
an der Staatsoper Hamburg vor. In ihrer 
Interpretation geht es um die Frage,
 ob sich hinter einer Maskerade der
 Wunsch verbirgt, der eigenen Rolle im
 Leben zu entfliehen. In Rossinis Oper
 gelingt es dem Grafen Almaviva (Jonah 
Hoskins), verkleidet als Matrose und
 als Musiklehrer, das Herz der schönen 
Rosina (Lilly Jørstad) zu gewinnen, 
wobei ihm der Barbier Figaro (Mattia
 Olivieri) trickreich hilft. Denn Rosinas
 Vormund Don Bartolo hat selbst ein
 Auge auf sein Mündel geworfen… Bei
 der Uraufführung 1816 in Rom gab 
es diverse Tumulte mit Miauen (eine 
Katze hatte sich auf die Bühne geschlichen) 
und Gelächter, doch danach eroberte
 die Oper die ganze Welt und
 gilt bis heute als unsterbliches Meisterwerk.

 

ALTONAER THEATER


MAN KANN AUCH IN DIE
 HÖHE FALLEN

Joachim Meyerhoffs autobiografische
 Romane faszinieren durch die humorige 
Leichtigkeit und Selbstironie, mit 
denen der Autor Alltagsepisoden ebenso
 wie persönliche Tragödien schildert.
 In seinem sechsten Buch widmet 
er sich im Wesentlichen seiner über
 80-jährigen Mutter und seiner liebevollen
 Beziehung zu ihr. Für das Altonaer
 Theater ist es die vierte Adaption eines
 Meyerhoff-Romans. Als das hektische 
Leben in Berlin den Schauspieler überfordert, 
zieht er sich aufs norddeutsche 
Land zu seiner Mutter zurück. Dort
 will er wieder zum Schreiben kommen 
und verliert sich in Erinnerungen 
an seine Kindheit, seine Schauspielerkarriere, 
Familienprobleme. Die Beharrlichkeit 
und der Witz seiner bodenständigen,
 vitalen Mutter machen 
ihm dabei klar: „Man kann auch in die
 Höhe fallen“. Und das ist bei ihm zum
 Teil grotesk, zum Teil herzzerreißend 
anrührend. Im Altonaer Theater inszeniert
 Lea Ralfs die Bühnenbearbeitung 
mit Marion Martienzen und Georg
 Münzel in den beiden Hauptrollen.

 

DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS

FABIAN ODER DER GANG
 VOR DIE HUNDE

Vor die Hunde geht in Erich Kästners 
autobiografisch inspiriertem Roman 
„Fabian“ aus dem Jahr 1931 nicht nur 
der junge Fabian. Es ist auch eine Prognose
 für die weitere Entwicklung 
der Weimarer Republik Ende der 20er
 Jahre, als sich die katastrophale Herrschaft
 der Nazis schon ankündigte.
 Der tschechische Regisseur Dusan David
 Parizék entwickelt daraus für das 
Schauspielhaus eine Bearbeitung, die 
– kaum verwunderlich – Parallelen zur Gegenwart aufweist. Fabian streift zunächst
 durch das Nachtleben von Berlin,
 beschließt dann aber, ein besserer
 Mensch zu werden und scheitert auf
 der ganzen Linie. Er verliert seinen
 Job, seine Freundin verlässt ihn, um
 Schauspielerin zu werden, sein bester
 Freund begeht Selbstmord, weil ihn 
ein neidischer Kollege hereingelegt hat.
 Frustriert kehrt Fabian in seine Heimatstadt
 Dresden zurück, wo Kästner 
ein beinahe zynisches Ende für ihn bereithält.
 Mirco Kreibich spielt in Parizéks 
Inszenierung die Titelrolle.

 

 

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