Foto: Hans Hansen
Große Werkschau des renommierten Fotografen
Wahrscheinlich hat jeder
schon mal ein Foto von
Hans Hansen gesehen,
vermutlich sogar mehrere – ohne es
zu wissen. In mehr als sechs Jahrzehnten
hat Hansen Kampagnen unter
anderem für Lufthansa, Nikon und
Volkswagen fotografiert, und darüber
hinaus mit renommierten Designern
zusammengearbeitet. Er hat seit den
1960er Jahren die Produktfotografie
revolutioniert und das Bildgedächtnis
ganzer Generationen geprägt. Man
könnte hier natürlich auch ganz profan
von „Werbefotografie“ sprechen, aber
das wird dem Mann hinter der Kamera
nicht gerecht. Gezeigt werden nun
rund 220 Fotos aus seinem Lebenswerk,
das er dem Museum für Kunst
und Gewerbe als Vorlass anvertraut
hat. Für die Ausstellung entsteht
außerdem
eine ganz neue Fotoserie.
Hans Hansen wurde 1940 in Bielefeld
geboren, und begann 1957 als Autodidakt
mit einer Rolleiflex zu fotografieren.
Ab den
frühen 1960er Jahren hatte
er dann schon Aufträge für Werbekampagnen,
später kamen redaktionelle
Beiträge für Magazine
und freie Arbeiten
hinzu. Hansen lebt und arbeitet in
Hamburg.
Berühmt ist er besonders für seine
sachlich-minimalistische Bildsprache.
Hansen reduziert die Gegenstände auf
das
Wesentliche, er zerlegt und ordnet
– nach Formen, Farben, Materialien. Klar und aufgeräumt, einfach und
elegant verstößt er
spielerisch gegen
die Regeln optimaler Präsentation.
Sehr bekannt ist die Aufnahme eines
in seine rund 7000 Einzelteile
VW Golf von 1988. Seine Arbeiten
tragen eine unverkennbare Handschrift,
indem sie den Blick mit radikaler
Klarheit auf die
alltägliche Dingwelt
lenken. Dabei sucht der Fotograf
unablässig nach neuen Bildlösungen,
experimentiert mit Licht, Schatten,
Komposition und Perspektive, um den
Objekten auf den Grund zu gehen.
Die Ausstellung gliedert sich in verschiedene
thematische Schwerpunkte.
Den frühen Werken folgen weltweite
Kampagnen
für die Lufthansa und
die Autobauer Volkswagen, Porsche,
Mercedes-Benz und Fiat. Für Auftraggeber
wie das Magazin „Stern“
und
die Supermarktkette REWE entwickelte
er eine neue Bildsprache für
Lebensmittel, wie die stark vergrößerte
Oberfläche
einer Erdbeere. Die Zusammenarbeit
mit dem Glasgestalter
Wirkkala und dem Leuchtenhersteller
Erco macht Hansens
Faszination für
die Erscheinung und Stofflichkeit von
Materialien deutlich.
Schöne Werbung für schöne Produkte
verspricht dem Betrachter
beziehungsweise potentiellen Käufer
ein gleichermaßen
ästhetisiertes und
damit gelungenes Dasein. Vor allem
die Fotos aus den 1960er bis 1980er Jahren künden von einer Zeit, in der
Überfluss, Sorglosigkeit und Fortschrittsglaube
vorherrschten, egal ob
es um Reisen, Autos oder Lebensmittel
ging. Da
stellen sich bei den heutigen
Betrachtern und ihrer veränderten
Lebenswelt durchaus nostalgische Gefühle
ein.
Hansen hat nie zwischen freien
und Auftragsarbeiten unterschieden.
Beiden ließ er dieselbe Präzision und
Aufmerksamkeit
zukommen, und
immer suchte er die Einfachheit und
die überzeugende Bildlösung für den
jeweiligen Zweck. Die formale Einfachheit
seiner Bilder verdeckt dabei
leicht den zugrunde liegenden hohen
technischen Aufwand. Seit 2007 fotografiert
er ausschließlich digital, aber
diese Ausstellung, in der er auch selbst
auf sein Lebenswerk zurückblickt, ist
nicht nur ein Ort für (Selbst)Reflexion,
sondern auch ein Plädoyer für die
materielle Qualität der Fotografie im
digitalen Zeitalter. Die Frage, wie
gut
die soeben gemachten 20 Aufnahmen
mit dem Smartphone von ein und
demselben Objekt eigentlich geworden
sind, hat
sich bestimmt schon so mancher
gestellt. In der Ausstellung kann
man also nicht nur in schönen Bildern
schwelgen, sondern
auch entdecken,
was eine gute Aufnahme eigentlich
ausmacht.
„Foto: Hans Hansen“, bis 01. November 2026,
Museum für Kunst & Gewerbe, Steintorplatz,
20099 Hamburg, Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 –
21 Uhr (an Feiertagen bis 18 Uhr, Do ab 17 Uhr
ermäßigter Eintritt).
Am 18. Juni um 18 Uhr
spricht Hans Hansen mit dem Journalisten Hanno
Rauterberg, Anmeldung erforderlich. Weitere
Informationen auf www.mkg-hamburg.de.