
Exklusives Konzert in der Elbphilharmonie
Brahms und Mendelssohn-Bartholdy – zwei großartige und anspruchsvolle Werke bereitet Orchesterchef Tigran Mikaelyan mit der Neuen Philharmonie Hamburg für ein Konzert am 8. Oktober im Großen Saal der Elbphilharmonie vor – exklusiv für Mitglieder.
Auf dem Programm stehen das 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms und die 3. Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy. Bevor diese Sinfonie aber auf die Bühne der Elbphilharmonie kommt, hat das Orchester schon eine längere Proben- und Bewährungsphase hinter sich. Denn bereits im September präsentiert es das Werk zur Saisoneröffnung des renommierten Kärntener Musikvereins Klagenfurt. Perfektionist Mikaelyan verspricht: „Dieses große Werk ist nicht leicht vom Blatt zu spielen und braucht sehr viel Vorbereitung. Durch zwei Probenphasen und einen Auftritt zuvor wird es immer besser für das Hamburger Publikum.“
Für das Orchester ist es zwar eine Herausforderung, zugleich aber auch eine Bereicherung, meint Mikaelyan. Denn in Klagenfurt dirigiert Conrad von Alphen, in Hamburg Marco Parisotto. Jeder Dirigent hat seine eigene Art der Interpretation. Das bedeutet für die Musikerinnen und Musiker eine komplette Umstellung in kurzer Zeit. Parisotto, Chefdirigent der Neuen Philharmonie und in Toronto Künstlerischer Leiter des Ontario Philharmonic Orchestra, kommt nämlich erst kurz vor dem Hamburger Konzert von einer großen Konzertreise durch China zurück.
Mendelssohns 3. Sinfonie wird auch „die Schottische“ genannt, denn eine Reise nach Schottland auf den Spuren der Königin Maria Stuart und zu den Hebriden im Jahr 1829 hatte ihn dazu inspiriert. „Die düstere schottische Landschaft prägt die Musik“, erklärt Mikaelyan. „Und einige Passagen und rhythmische Strukturen haben tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit schottischer Volksmusik.“ Nach einem Besuch des Holyrood Palace in Edinburgh schrieb Mendelssohn: „Ich glaube, ich habe heute den Anfang meiner Schottischen Symphonie gefunden.“ Dennoch brauchte er noch 13 Jahre, bis er das Werk vollendete.
Um ein Konzert zu einem harmonischen Ganzen zu machen, müssen die verschiedenen Stücke gut aufeinander abgestimmt werden. Tigran Mikaelyan entschied sich als Ergänzung zu Mendelssohn für das 1. Klavierkonzert von Brahms. Inhalt, Dramatik, Intensität und nicht zuletzt die Orchesterbesetzung passen zusammen, meint er und schwärmt: „Dieses Werk ist ein Juwel.“ Allerdings war es bei der Uraufführung 1859 in Hannover mit Brahms selbst als Pianisten noch mit Bravour durchgefallen. „Und dieses Würgen und Wühlen, dieses Zerren und Ziehen, dieses Zusammenflicken und wieder Auseinanderreißen von Phrasen und Floskeln muss man über Dreiviertelstunde lang ertragen!“, hieß es in einer Kritik. „Für die damalige Zeit war es noch zu experimentell“, erklärt Mikaelyan. „Wenn man es aber richtig spielt, dann öffnen sich Facetten und eine Farbigkeit, dass man gar nicht merkt, wie die knapp 50 Minuten vergangen sind. Es ist wunderschöne Musik.“
Allein wegen der Länge und der Intensität des Klavierparts ist es jedoch schwierig, einen Pianisten dafür zu finden. Nur wenige haben das Klavierkonzert im Repertoire. Alexey Chernov gehört dazu. Er stammt aus einer russischen Musikerfamilie, gewann zahlreiche internationale Wettbewerbe und trat weltweit auch unter namhaften Dirigenten auf. 2022 ließ er sich in Deutschland nieder. Anfang dieses Jahres hatte er sich bei Tigran Mikaelyan gemeldet. Als der Orchesterchef ihn jetzt fragte, ob er das Klavierkonzert spielen könne, bekam er eine begeisterte Antwort: „Es sei eines seiner Lieblingskonzerte, sagte er. Das spiele er super gerne.“ Und auch Mikaelyan ist begeistert: „Er strahlt Sicherheit und Ruhe aus, er ist musikalisch perfekt und er versteht Brahms.“
Anspruchsvolle Musikstücke sind für den Orchesterchef stets Ansporn, seine Musiker und Musikerinnen zu Höchstleistungen zu bringen. Doch er weiß auch sehr genau, was er seinem Orchester zumuten kann. Da bleiben noch einige Wünsche offen. Die Sinfonien von Gustav Mahler zum Beispiel. „Dafür muss ein Orchester erst zusammenwachsen“, sagt er. „Jetzt, nach gut 20 Jahren konstanter Arbeit, merke ich, dass ich in die richtige Richtung gearbeitet habe. Das Orchester ist wie eine Familie, wie ein Organismus zusammengewachsen und reif geworden. Ich möchte Mahler so spielen, dass es in Erinnerung, dass es einmalig bleibt. Jetzt denke ich, dass das Orchester bereit dafür ist.“ Kann sich das Publikum also demnächst auch auf ein „Wow-Konzert“ mit Mahler freuen? Vielleicht…
Elbphilharmonie Großer Saal, 08. Oktober 2025 um 20 Uhr