
Goodbye Robert Wilson
Gerade bereitet sich Hamburg auf die Premiere des faszinierenden Stücks „Black Rider“ im Altonaer Theater in einer vollständig neuen Inszenierung vor (siehe unser Titelthema), da erreicht uns die Nachricht vom Tod eines seiner Schöpfer: der amerikanische Theater- und Opernregisseur Robert Wilson ist am 31. Juli im Alter von 83 Jahren gestorben.
Hört man den Namen Robert Wilson, hat man meist sofort ganz bestimmte Aufführungsbilder im Kopf, mit rituell wirkenden langsamen Bewegungen und einer mysteriösen Anmutung, und trotz manchmal greller Lichteffekte oft von einer rätselhaften Düsternis durchzogen. Alles zusammen übt einen geradezu unwiderstehlichen Sog auf die Zuschauer aus. Damit kam Wilson besonders in Europa gut an – wenn auch nicht immer und bei jedem.
Nach dem großen Erfolg des „Black Rider“ 1990 im Thalia Theater war Wilson 2022 nochmals hier zu Gast. Gemeinsam mit alten Weggefährten – Komponist Philip Glass und Tanz-Ikone Lucinda Childs – machte er sich in dem Stück „H – 100 seconds to midnight“ auf die Suche nach nicht weniger als den Urgründen des Universums. Auch dieses Werk ist minutiös durchchoreografiert und wie jede seiner Inszenierungen ein Gesamtkunstwerk aus Handlung, Bewegung, Ton und Bild.
Wilson gilt als einer der Künstler, die das Theater ins 21. Jahrhundert gehoben haben. Künstlerisch aktiv und sozial engagiert war er bis zuletzt. sp