Helga Siegert © Mathias Thurm
Helga Siegert © Mathias Thurm

Nachruf

Abschied von unserer langjährigen Vorsitzenden Helga Siegert

 

Mit großer Betroffenheit haben wir erfahren, dass am 23. März 2020 unsere Ehrenvorsitzende, Frau Helga Siegert im Alter von fast 92 Jahren verstorben ist.
  

Helga Siegert und ihr Ehemann Hermann gehören zu der Generation, die nach den schrecklichen Erfahrungen des 2. Weltkrieges die Ärmel aufkrempelte, um ein neues Deutschland aufzubauen und für sich eine gute Lebensgrundlage zu schaffen. Dazu gehörte für die beiden moderne Literatur und klassisches Theater, aber auch niederdeutsche Dichtung, volkstümliche Musik und die Bildende Kunst. Es war daher nur folgerichtig, dass sie wie viele tausend andere Hamburgerinnen und Hamburger 1950 Mitglied der Volksbühne wurden, um die Theaterereignisse der damaligen Jahre mitzuerleben, wie sie von Persönlichkeiten wie Gustav Gründgens oder Friedrich Schütter, Ida Ehre oder Hans Fitze auf die Bühne gebracht wurden. Durch diese Erlebnisse wuchs ihre Verbindung zur Volksbühne, die ihnen schon damals die Türen zu allen Theatern öffnete.
  

Mit Hingabe kümmerte sich Helga Siegert in den sechziger Jahren um ihre heranwachsenden Kinder. Daneben engagierte sie sich in Hamburg-Bramfeld im Studienkreis für Frauen um die Kulturpolitikerin Dr. Ingrid Seeler. Hier ging es um die Belange der Mütter, aber auch um den demokratischen Aufbau der Gesellschaft, den Frieden, um die Emanzipation der Frauen und natürlich auch um besondere Theaterinszenierungen. So blieben die Volksbühne und ihre Rolle in der Theaterlandschaft Hamburgs bei Frau Dr. Seeler und Helga Siegert im Gespräch.
  

Als 1980 die Position einer Beisitzerin im Vorstand der Hamburger Volksbühne zu besetzen war, kam aus der Vertreterversammlung der Vorschlag: Helga Siegert, eine theaterbegeisterte und politisch interessierte Frau! – Und sie wurde in den Vorstand gewählt, dem sie bis 2004 angehörte, seit 1989 als stellvertretende Vorsitzende und  ab 1996 als Vorsitzende des Vorstandes.
  

Bei den unterschiedlichen Aufgaben haben wir ihre große Herzlichkeit, ihre Ruhe und Besonnenheit und ihren unermüdlichen Einsatz für die Mitglieder und die Theater sehr geschätzt. Sie ist immer eine gute Zuhörerin gewesen, war offen für tragfähige Argumente und hat gemeinsam mit dem Geschäftsführer und den anderen Mitgliedern des Vorstandes nach guten Wegen ins neue Jahrtausend für die Volksbühne gesucht. Besonders die Förderung bildender Künstlerinnen und Künstler lag ihr am Herzen, vielen von ihnen hat sie im Lauf der Jahre eine Ausstellung im Haus der Volksbühne am Graumannsweg ermöglicht. Die Vernissagen waren immer besondere Ereignisse, genauso wie die Adventslesungen, die sie zusammen mit ihrem Mann und Herrn Professor Georg Erich Meyer dort durchgeführt hat.
  

Auch später als Ehrenvorsitzende hat sie nach Möglichkeit noch bis zum Herbst 2018 an den Vorstandssitzungen teilgenommen, ihre reichen Erfahrungen eingebracht und durch sachliche Beiträge zum guten Fortgang der Diskussionen beigetragen. Gern waren sie und ihr Mann Gäste bei unseren Eigenveranstaltungen und Konzerten und haben mit großer Freude Vorstellungen besonders im Ohnsorg Theater und im Ernst Deutsch Theater besucht. Leider war es Helga Siegert krankheitsbedingt nicht mehr vergönnt, im letzten Jahr die Veranstaltungen zum 100-jährigen Geburtstag „ihrer“ Volksbühne mitzuerleben, die sie fast siebzig Jahre aktiv begleitet hat. Wir hätten sie gern dabeigehabt!
  

Wir vermissen Helga Siegert sehr und werden sie dankbar in Erinnerung behalten als erste Frau an der Spitze der Hamburger Volksbühne.

Bernd Rickert

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