Die aktuellen Premieren der Privat- und Staatstheater
Die Neuproduktionen von Juni bis August:
THALIA THEATER
THE BOYS ARE KISSING
Man will ja nichts falsch machen. Kindererziehung jedoch stellt so manche Eltern vor scheinbar unlösbare Probleme, die unversehens eskalieren können. Das führte Yasmina Reza, die Spezialistin für unterhaltsam kritische Gesellschaftskomödien, 2006 mit ihrem „Gott des Gemetzels“ beispielhaft vor. Die Zeiten haben sich seither verändert, die Gesellschaft ist bunter geworden, was nicht immer so selbstverständlich toleriert wird, wie es scheinen soll. So sind es diesmal auch nicht zwei Kinder, die sich in die Wolle kriegen und dadurch das Gemetzel unter den Eltern auslösen, sondern zwei Knaben, die sich zu nahe kommen – nämlich mit einem intensiven Kuss. Vorboten einer schwulen Zukunft für die beiden?
Der britisch-iranische Autor Zak Zarafshan bringt in seinem Debüt-Stück „The Boys Are Kissing“ die dünne Fassade angeblich liberaler Eltern gehörig ins Wanken. Matt vertritt eine konservative Haltung, seine Frau Sarah schwankt zwischen Unsicherheit und Harmonie, Amira und Chloe vertreten als lesbisches Paar konsequent die Diversität. Toleranz, überhöhte Erwartungshaltungen und Elternrollen werden hinterfragt. Gleichzeitig aber schickt Zarafshan zwei himmlische Mediatoren ins Spielfeld. Die queeren Engel Analis und Klitoris mischen sich ein, getarnt als Familienmitglieder und andere Erdenbürger. Als deutsche Erstaufführung inszeniert Anne Lenk die schrill-komische Satire am Thalia Theater.
KOMÖDIE WINTERHUDER FÄHRHAUS
HÖCHSTE ZEIT
Was kann nicht alles passieren bei einem ausgelassenen Junggesellinnenabschied? Es muss ja nicht gleich ganz so dicke kommen wie bei der Braut, die ihrem Noch-nicht-Angetrauten per Handy gesteht: „Ich bin fremdgegangen mit Howard Carpendale.“ Zum Glück stellt sich heraus, dass es der Gatte in spe selbst und nicht der Schlagerstar aus dem Nachbarzimmer des Hotels war, mit dem sie völlig zugedröhnt ein paar heiße Minuten im Fahrstuhl verbracht hatte. Doch danach ist der Künftige plötzlich verschwunden. Kein Wunder, dass die drei Brautjungfern befinden: „Höchste Zeit“, dass die Ehekandidatin unter die Haube kommt! Zuvor allerdings fließt zwischen Panikattacken und Freudentränen noch jede Menge Champagner.
Im Jahr 2010 trafen sich die vier Damen – die Hausfrau, die Vornehme, die Karrierefrau und die Junge – zum ersten Mal und tauschen sich seitdem mit großem Publikumserfolg in der Musicalkomödie „Heiße Zeiten“ über die Plagen der Wechseljahre aus. 2014 folgte die Fortsetzung „Höchste Zeit“, in der es mit Komik und viel Musik um Liebe, Ehe, Partner, Frust und andere (über-)lebenswichtige Fragen geht. Kurz nach der Uraufführung waren die Vier schon einmal in der Komödie Winterhude zu Gast, jetzt kommen sie wieder. Charlotte Heinke, Franziska Becker, Heike Jonca und Nini Stadlmann waren schon bei der Urbesetzung dabei, für die kürzlich verstorbene Angelika Mann kommt Eva Brunner neu dazu. Mit Hits aus den 70er bis 90er Jahren, frisch und frech aufpoliert mit deutschen Texten, und vielen Gags sorgen sie für so manchen Stimmungskracher.
ALLEE THEATER
IDOMENEO
Mit seiner Oper „Idomeneo“ brach der 25-jährige Mozart zum ersten Mal die starren Regeln der damaligen Opernwelt auf und brachte psychologisch fein gezeichnete Charaktere ins fulminante Spiel. 1781 wurde sein Werk in München uraufgeführt. Die emotionalen Naturgewalten spiegeln sich so kraftvoll in seiner hochdramatischen Musik, dass Mozarts Vater zuvor noch gemahnt hatte: „Ich empfehle dir Bey deiner Arbeit nicht einzig und allein für das musikalische, sondern auch für das ohnmusikalische Publikum zu denken – vergiss also das so genannte populare nicht, das auch die langen Ohren kitzelt.“
Die Handlung geht auf die griechische Sage rund um den Trojanischen Krieg zurück. Idomeneo, König von Kreta, gerät bei seiner Heimkehr mit seinem Schiff in einen wütenden Sturm. In seiner Not fleht er Neptun, den Meeresgott, um Hilfe an und verspricht, den ersten Menschen zu opfern, der ihn an Land begrüßt. Grausames Schicksal: Es ist sein Sohn Idamante. Das Entsetzen ist groß. Doch gemeinsam mit der als Kriegsgefangene mitgeführten trojanischen Königstochter Ilia, in die Idamante sich verliebt, kämpft Idomeneo darum, dem göttlichen Spruch zu entgehen. Das Allee Theater zeigt die Oper, die Mozart selbst als seine beste bezeichnete, in einer konzertanten Aufführung in italienischer Sprache.
KOMÖDIE WINTERHUDE
BIS DASS DER TOD
Die Komödien von Stefan Vögel zeichnen sich stets durch pointierte Dialoge, Witz und Tempo aus. In der Komödie Winterhude gehören die Stücke des Erfolgsautors und Kabarettisten aus Österreich deshalb auch längst zum Programm, zuletzt 2021 „Schuhe Taschen Männer“. Vögels neuestes Stück ist ein Krimi und der beschäftigt sich – der Titel lässt es schon vermuten – mit einem Ehepaar. „Bis dass der Tod“… euch scheidet, haben sie sich einst versprochen. Nun stehen Gregor und Helena vor den Trümmern ihrer Ehe. Sie will die Scheidung, er weigert sich, es sei denn, sie findet ihn mit der Hälfte ihres Vermögens ab. Und das sind 11 Millionen. Insgeheim kalkulieren beide aber anders: Was wäre, wenn man den anderen bzw. die andere stattdessen aus der Welt schaffen würde? Dummerweise bitten leider beide denselben Freund, ihnen diesen Dienst zu erweisen, gegen entsprechende Entlohnung, versteht sich. Pascal, der Freund, erweist sich tatsächlich als solcher und sagt zu. Erst ihr, dann ihm – schließlich hat er Schulden. Der von ihm beauftragte Mörder entpuppt sich allerdings als ziemlich begriffsstutzig, und Helenas Cousine Yvette bringt auch noch alles durcheinander. Der makabre Krimispaß hält jede Menge unerwartete Wendungen parat. In der Komödie Winterhude sind u. a. Hans-Werner Meyer, Jacqueline Macaulay und Katharina Abt mit von der Partie.
Karten für die Neuproduktionen finden Sie im Ticketshop